Berufsförderungswerk Frankfurt am Main

Kompetenz für Integration

Reha-KomIn®

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Individualisierung


Der mehrdimensionale Individualisierungsbegriff

Die klassische Minimalanforderung bei der Umsetzung von Individualisierungskonzepten heißt, dass sich Bildungsmaßnahmen an der Einmaligkeit des Menschen, also seiner Individuallage orientieren sollen (Subjektorientierung) und – insbesondere als Kompetenzerwerb – individuelles Lernen im Rahmen des bestehenden Systems ermöglichen müssen. Dabei wird Individualisierung letztlich als didaktische Maßnahme verstanden, die – mit Schwerpunkt im Bereich Qualifizierung – auf effizientes und selbstverantwortetes Lernen (Lernsubjekt) abzielt indem die Lehr-/Lernsituation auf Interessen, Bedürfnissen und besonders auf die Lernerfahrungen des Einzelnen abgestimmt wird (versus Belehrung eines „Lernobjektes“).

Der Grad der Individualisierung ist einerseits abhängig vom Grad der Entwicklungsmöglichkeiten und andererseits von der entsprechend notwendigen Veränderbarkeit organisatorischer Rahmenbedingungen. Verkürzt ausgedrückt realisiert sich Individualisierung als didaktische Maßnahme im Rahmen der Rehabilitation bisher vor allem

  • in der möglichst weitgehenden Anpassung der Qualifizierungssystematik auf die individuellen Fähigkeiten und Bedürfnisse,

  • in einer damit angestrebten Flexibilisierung und Differenzierung besonders hinsichtlich Lernzeiten, -orten und -inhalten

  • und in einer in der Regel – und zum Teil notwendigerweise – gruppenorientierten Qualifizierung mit möglichst steigender Binnendifferenzierung im Rahmen eines fachlich orientierten Qualifizierungssystems zum Erwerb eines (anerkannten) Berufsabschlusses bzw. beruflicher Handlungskompetenz.

Moderne, zeitgemäße und zukunftssichernde Individualisierungskonzepte müssen in Erweiterung dieses Verständnisses vor allem die unterschiedlichen gesellschaftlichen Rahmenbedingungen berücksichtigen, da sie sonst Gefahr laufen, in eine pädagogische Autonomie zu münden. Gerade auch angesichts

  • der verstärkten Integrationsorientierung,

  • der zunehmend heterogenen Zielgruppen,

  • des konkreten Bedarfes unterschiedlicher Reha-Träger-Märkte

  • und differenzierten Nachfragen von Unternehmen im Rahmen der beruflichen Rehabilitation wurde für die Arbeit des Berufsförderungswerkes Frankfurt am Main ein erweiterter, umfassender und mehrdimensionaler Individualisierungsbegriff notwendig und definiert.

Dieser berücksichtigt

  • den behinderten Menschen in seiner umfassenden individuellen Lebenssituation

  • und gleichermaßen den unterschiedlichen Bedarf der Reha-Träger-Märkte und der Unternehmen (Arbeitsmarkt) als Ausgangspunkt der Individualisierung mit dem Ziel der Integration und verbindet beide Bereiche passgenau.

Dabei ist diese umfassende Ausgangssituation der beruflichen Rehabilitation des behinderten Menschen geprägt durch

  • seine Behinderungsart und -schwere,

  • seine derzeitige Lebenssituation,

  • seine Lernerfahrung und -kompetenz,

  • eine Gesundheit,

  • seine Mobilitätsmöglichkeiten
  • sein Lebensalter und Geschlecht,

  • seine individuellen beruflichen Vorerfahrungen und seine fachliche Kompetenz,

  • seine Leistungsfähigkeit,

  • seinen sozialen Kontext,

  • und seine Motivation und Fähigkeit zur Übernahme der Eigenverantwortung für den gesamten Rehaprozess

Die differenzierten Bedarfe und die aktuelle Nachfrage der regionalen Arbeitsmärkte sind weitere Faktoren.

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