Berufsförderungswerk Frankfurt am Main

Kompetenz für Integration

Reha-KomIn®

Reha- und Integrationsmanagement

BFW-Absolventen präsentieren ihren Weg...

Oft motivieren praktische Beispiele mehr als alle Theorie. Deshalb präsentieren hier Absolventen ihren persönlichen Weg.

Dietrich Dahmen (gehörlos) – Mit der betrieblichen Integrationsmaßnahme für Gehörlose und Hörgeschädigte wieder zurück in seinen „alten“ und „neuen“ Traumberuf: Dem Handbuchbinder.

Mehr als 100 Bewerbungen in Deutschland und Österreich schrieb der von Geburt an gehörlose und damals 35-jährige Dietrich Dahmen, seitdem sein ehemaliger Arbeitgeber 2007 die Pforten aus wirtschaftlichen Gründen für immer schließen musste – jedoch blieben diese ohne Erfolg – bis ihn sein Rehabilitationsberater zu einer betrieblichen Integrationsmaßnahme im BFW Frankfurt anmeldete.

Dietrich Dahmen Stolz präsentiert uns Dietrich Dahmen (38) seine Handwerkskunst während eines Besuches bei seinem neuen Arbeitgeber „Hephata Hessisches Diakoniezentrum e.V“ in Schwalmstadt Treysa. Alle Handgriffe sitzen, denn Dahmen ist schon seit 17 Jahren Handbuchbinder und weiß, worauf es bei dieser traditionellen Art des Buchbindens ankommt. Dass in den heutigen industriellen und digitalen Zeiten für dieses alte Kunsthandwerk nur noch wenig Platz ist, spürte Dietrich Dahmen 2007 am eigenen Leib, denn die alte Buchbinderei in Wiesbaden, bei der er schon 14 Jahre tätig war, musste schließen.

„Zunächst versuchte ich, als Buchbindegehilfe in der Industrie Fuß zu fassen, jedoch spürte ich schnell starke Schmerzen im Rücken, so Dahmen – denn neben seiner Gehörlosigkeit leidet Dietrich Dahmen seit 1991 an Hüftgelenks-Entzündungen (Morbus Bechterew). Das Arbeitstempo der industriell gefertigten Bücher war für Dahmen zu hoch.

„Ich schrieb mehr als 100 Bewerbungen in Deutschland und Österreich, jedoch bekam ich immer nur Absagen zurück. Es war eine schwere Zeit, denn mein Beruf, den ich im Berufsbildungswerk in Neuwied abgeschlossen hatte, machte mir auch nach 14 Jahren immer noch viel Freude,“ erinnert sich Dahmen.

Zusammen mit seinem Rehabilitationsberater der Deutschen Rentenversicherung Hessen suchte Dietrich Dahmen einen Weg, wie er wieder schnell in Arbeit kommen kann. Er absolvierte von Mitte 2008 bis Mitte 2009 eine speziell für Gehörlose und hörgeschädigte behinderte Menschen berufliche Integrationsmaßnahme im Berufsförderungswerk Frankfurt am Main.

„Während dieser Zeit erweiterte ich meine PC-Kenntnisse sowie Kenntnisse der Bürowirtschaft und mir wurden die Kniffe und Tricks beigebracht, auf die es bei der Erstellung von Bewerbungen ankommt. Daneben wurden meine Rechenkenntnisse aufgefrischt. Begleitet wurde die komplette Maßnahme von einer Gebärdensprachdolmetscherin.

Der Schlüssel zum beruflichen Wiedereinstieg für Dietrich Dahmen lag in der betrieblichen Phase, die er in der Buchbinderei der Reha-Werkstatt- Hephata – Hessisches Diakoniezentrum e.V. absolvierte – in der er auch heute arbeitet.

„Endlich konnte ich wieder meiner handwerklichen Arbeit nachgehen“, freut sich Dahmen. „Ich arbeite nun als Arbeitsgruppenassistent im Bereich der Buchbinderei und restauriere alte Bücher, stelle Fotoalben, Notizblöcke, Leporellos, Ringbücher, Visitenkarten und Visitenkartenmäppchen sowie deren Prägungen her.“ Auch die Bindung von Zeitschriften gehört zu seinen Aufgaben. „Oft fertige ich auch Bücher und Materialen auf individuelle Kundenbestellung von Institutionen und Privatpersonen an. Der Umgang mit den verschiedensten Materialien wie Papier, Pappe, Stoff und Leder macht mir großen Spaß,“ versichert uns Dietrich Dahmen. Die betriebliche Phase mündete, auch dank den Eingliederungszuschüssen der Deutschen Rentenversicherung Hessen und der Arbeitsagentur Wiesbaden in einen unbefristeten Arbeitsvertrag. „Herr Meyer, Geschäftsbereichsleiter Soziale Rehabilitation von Hephata, setzte sich sehr für mich ein – dafür möchte ich mich nochmals herzlich bedanken.“ Und auch seine Kolleginnen und Kollegen schätzen seine kollegiale Art und haben trotz seiner Gehörlosigkeit wenig Verständigungsprobleme.

Das Unternehmen Hephata Hessisches Diakoniezentrum e.V. mit Sitz in Schwalmstadt-Treysa ist seit über 100 Jahren aktiv tätig in der Hilfe und Begleitung kranker, pflegebedürftiger, behinderter und benachteiligter Menschen. Die Buchbinderei der Reha-Werkstatt erstellt hochwertige handgefertigte Druckerzeugnisse für die unterschiedlichsten Einsatzzwecke.
Internet: www.hephata.de.

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