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Startschuss für wohnortnahe berufliche Eingliederungsangebote für Blinde und Sehbehinderte
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10.06.2010
J.P. Morgan Corporate Challenge 2010 - BFW zum zehnten Mal in Folge am Start gewesen
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08.06.2010
Sprung ins zweite Berufsleben - 247 Absolventen haben das BFW Frankfurt am Main im Frühsommer 2010 verlassen
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Mehr Kompetenz für die eigene Gesundheit
Dr. Herbert Horatz, Internist und Betriebsmediziner im BFW Frankfurt, über die Fähigkeit, fit und leistungsfähig zu bleiben
Dass Gesundheit für den Einzelnen eine bessere Lebensqualität bedeutet, liegt auf der Hand. Gesundheit ist zudem aber auch ein wesentlicher Wirtschaftsfaktor: „Ein Mangel an Gesundheitskompetenz ist eine entscheidende medizinische wie auch wirtschaftliche Belastung für unsere Gesellschaftssysteme in Europa“, stellte dazu aktuell das 12. European Health Forum fest. Im Berufsförderungswerk Frankfurt am Main ist man sich der Relevanz bewusst und fördert mit einer breiten Palette an Leistungen die Gesundheitskompetenz der Menschen mit Behinderung im BFW. Positionen & Profile sprach dazu mit Dr. Herbert Horatz, Internist, Betriebsmediziner und Centerleiter Besondere Hilfen im BFW.
Wie lässt sich Gesundheitskompetenz am besten beschreiben?
Horatz: Grundsätzlich versteht man unter Gesundheitskompetenz die Fähigkeit, aufgrund erworbener Kenntnisse und Verhaltensweisen im Alltag
Entscheidungen mit positiver Wirkung auf die Gesundheit zu treffen. Dabei beinhaltet Gesundheitskompetenz die Fähigkeit, Belastungen zu erkennen
und Strategien zur Förderung und Gesundheitsroutinen zu entwickeln.
Warum ist es heute so wichtig, dass Beschäftigte über Gesundheitskompetenz verfügen?
Zum einen ist das Bewusstsein für den verantwortlichen Umgang mit der eigenen Gesundheit im Hinblick auf Erhalt der Leistungsfähigkeit gestiegen.
Ein Mitarbeiter, der sich in seiner Haut wohlfühlt, für sich Verantwortung übernehmen kann, auch Phasen der Entspannung einhält, ist zufriedener – und in den Betrieben präsenter und
leistungsfähiger, selbst mit seinen Einschränkungen. Zum anderen verändert sich die Beschäftigtenstruktur im Zuge des demografischen Wandels: Wer immer länger arbeiten soll und mit
zunehmendem Alter im Arbeitsprozess tätig sein will, muss aktiv an der eigenen Gesundheit mitarbeiten.
Für die behinderten Menschen im Berufsförderungswerk Frankfurt kommt darüber hinaus die Notwendigkeit hinzu, einen guten Umgang mit ihrer gesundheitlichen Einschränkung
zu erlernen – immerhin konntensie aufgrund dessen ihre vorherige Tätigkeit nicht mehr ausüben. Die Gesundheitskompetenz der BFW-Absolventen ist für Arbeitgeber ein
Garant dafür, dass das Handicap am neuen Arbeitsplatz keine nennenswerte Rolle spielt und eine gute Arbeit geleistet werden kann.
Welche Bereiche umfasst Gesundheitskompetenz?
Gesundheitskompetenz versetzt Menschen in die Lage, sich gesundheitsförderlich zu verhalten – und zwar vor dem Hintergrund ihrer jeweiligen Lebens- und Arbeitssituation. Neben
allgemeinen Themen wie gesunder Ernährung und Bewegung spielt die Kenntnis von ergonomischen Bewegungsabläufen bei bestimmten Arbeitsprozessen eine Rolle, z. B. auch
die Verwendung des richtigen Werkzeugs und die ergonomisch sinnvolle Einrichtung des Arbeitsplatzes. Gesundheitskompetenz ist jedoch individuell zu betrachten und umfasst
damit eine breite Palette. Abgesehen von den körperlichen Aspekten gehören auch die seelischen dazu.
Aus dem Arbeitsleben wissen wir, dass die seelischen Anforderungen und Belastungen durch Stress, Zwang zur Flexibilität und Leistungsdruck steigen. Diese Punkte gilt es genauso in den Blick zu nehmen.
Was steht für die Menschen im BFW im Zentrum der Gesundheitskompetenz?
Für die BFW-Teilnehmer steht am Anfang meist die Frage nach der Krankheitsbewältigung: „Was kann ich selbst tun, um mit diesem Handicap umzugehen?“ Hier gibt es einen hohen
Gesprächsbedarf, der von Medizinern und Psychologen abgedeckt wird. Als zentrale Einheit bieten wir zudem die medizinische Trainingstherapie an, ein medizinisch geführtes Aufbautraining,
das die Menschen dabei unterstützt, wieder eine aktive Rolle zu übernehmen – das gilt bei Stoffwechselerkrankungen ebenso wie bei orthopädischen, neurologischen oder auch seelischen Erkrankungen.
Das Ziel von Gesundheitskompetenz liegt aus Sicht des BFW vor allem darin, Bewältigungsstrategien für die persönliche Lebenssituation zu vermitteln, mit den körperlichen und oder seelischen Beeinträchtigungen
zurecht zu kommen und sich wieder in die Arbeitswelt einzufinden.
Ein weiteres großes Thema, das alle betrifft, ist gesunde Ernährung. In der BFW-Küche wird selbstverständlich auf die Kaloriendichte geachtet,
auch das Speisenangebot insgesamt hat sich verändert – so gibt es z. B. verschiedene Buffets mit einem umfangreichen Angeboten an Salaten, Rohkost und Gemüsen. Zudem gibt es ein individuelles Beratungsangebot
rund um das Thema Ernährung. Zu den allgemeinen Gesundheitskompetenzen gehört auch die Fähigkeit, sich hygienisch sinnvoll verhalten zu können – gerade in großen Unternehmenseinheiten – und über Hygieneregeln
nachzudenken: „Macht es Sinn, sich in Zeiten der Schweinegrippe die Hände zur Begrüßung zu geben?“
Ist Gesundheitskompetenz ein Standardangebot – oder erfolgt die Vermittlung individuell?
Gesundheitskompetenz ist ein Standardangebot der beruflichen Rehabilitation im BFW Frankfurt, wobei der Schwerpunkt auf der individuellen Betrachtung liegt. Zum Beispiel gesunde
Ernährung: Selbstverständlich kommt sie allen Menschen zu Gute – aber es gibt Menschen, die größere Probleme mit ihrem Ernährungsverhalten haben als andere.
Hier betrachten wir sehr gründlich, wer braucht was? Es gibt zwar Gesundheitskompetenz als Standard-Angebot, aber nicht standardisiert für alle, weil jeder Teilnehmer anders ist.
Es ist wichtig, individuell zu schauen, was zielführend ist.
Individuell – aber durchaus in Gruppentherapien – wird das Thema Entspannung vermittelt. Für viele Menschen ist der Wechsel zwischen Anspannung im Beruf und Entspannung als notwendiger Ausgleich zum Leistungsdruck
im Betrieb schwierig. Es fehlt die Fähigkeit, ausgleichend mit Stress umzugehen. Für Gruppen bieten wir daher Entspannungsverfahren an wie Muskelrelaxion nach Jacobsen.
Ganz wichtig ist zudem das berufsbezogene Angebot zum ergonomischen Verhalten am Arbeitsplatz: Wie hält man den Spaten richtig? Wie trägt man einen Torfsack korrekt? Auch beim achtstündigen Sitzen vor dem
PC können leicht neue gesundheitliche Probleme entstehen, wenn man nicht lernt, richtig zu sitzen. Für Arbeitgeber bedeutet das: Wenn sie BFW-Absolventen einstellen, erhalten sie Mitarbeiter, die sich ergonomisch
korrekt verhalten können.
Was können Unternehmen tun, um die Gesundheitskompetenz ihrer Mitarbeiter zu fördern?
Die Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit eines Unternehmens hängt entscheidend davon ab, wie gesund dessen Mitarbeiter sind. In „gesunden Betrieben“ sind die Beschäftigten produktiver und kreativer, außerdem
steigt die Qualität der Produkte und Dienstleistungen wesentlich an, wenn Unternehmen Maßnahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung durchführen. Neben gesundheitsfördernden Maßnahmen, die
auf Entspannung oder körperliche Gesundheit ausgerichtet sind, wird aber auch die Förderung der seelischen Gesundheit immer wichtiger. Denn der Anteil der seelischen Erkrankungen nimmt beständig zu. Das
zeigt die immens steigende Anzahl der medizinischen Reha-Anträge mit psychischem Hintergrund. Hier empfehlen sich als wichtige Präventionsmaßnahmen eine wertschätzende Arbeitsatmosphäre, klare und transparente
Arbeitsaufträge und ein nicht überstrapazierendes Maß an Flexibilität.
Vielen Dank für das Gespräch.
Positionen & Profile Winter 2009


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