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Die Besonderen Hilfen – der entscheidende Unterschied
Neben den Leistungsbereichen Reha- und Integrationsmanagement sowie den Lernunternehmen bildet der Bereich der Besonderen Hilfen eine zentrale Schlüsselfunktion, denn die Teilnehmerinnen und Teilnehmern im BFW Frankfurt am Main erhalten neben der fachlichen Qualifizierung auch individuelle Unterstützung zur Entwicklung weiterer Kompetenzen.
Welche Besonderheiten und Dienstleistungen sich hinter dem Begriff „Besondere Hilfen“ im Einzelnen verbergen, klärt BFW aktuell im Gespräch mit dem Centerleiter und Arzt Dr. Herbert Horatz.
BFW aktuell
Herr Dr. Horatz, was verbirgt sich hinter den Besonderen Hilfen?
Dr. Herbert Horatz
Ganz allgemein: Der Begriff der Besonderen Hilfen findet sich im § 35 des SGB IX,
in dem die besonderen Anforderungen an die Berufsförderungswerke benannt sind.
Darunter sind einerseits z.B. Barrierefreiheit im BFW oder auch die erwachsenengerechte Ausbildung zu verstehen.
Andererseits sind dort viele Faktoren und Inhalte aufgezeigt, die neben einer beruflich-fachlichen Qualifizierung für die berufliche Integration
eine wesentliche Rolle spielen – z.B. Gesundheits- und Sozialkompetenz.
BFW aktuell
Die Leistungen der Besonderen Hilfen des Berufsförderungswerks Frankfurt am Main bilden eine wichtige Säule
im Hinblick auf eine ganzheitliche Integrationskompetenz.
Welchen Vorteil sehen Sie für unsere Teilnehmerinnen und Teilnehmer diese Angebote unter einem Dach anzubieten?
Dr. Herbert Horatz
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer kommen mit sehr unterschiedlichen beruflichen, gesundheitlichen und persönlichen Voraussetzungen zu uns ins BFW.
Allen ist gemeinsam, dass sie wieder eine dauerhafte berufliche Integration auf dem ersten Arbeitsmarkt erreichen wollen.
Hier im BFW sollen die notwendigen „Entwicklungsschritte“, wenn ich es so nennen darf, erreicht werden.
Dabei sind fachliche Inhalte genauso von Bedeutung wie z.B. Aspekte sozialer Kompetenz, Fähigkeiten der Kommunikation wie nicht zuletzt ein selbstbewusster Umgang
mit den gesundheitlichen Ressourcen.
Die Entwicklungsförderung in den verschiedenen Kompetenzbereichen bedarf einer guten Koordination und des Abgleichs mit dem Integrationsziel.
Dazu ist eine Verzahnung der Professionen untereinander und mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern unverzichtbar
– und das Angebot „unter einem Dach“ geradezu ein Muss.
Im Rahmen von Reha-KomIn ist die Gesundheitskompetenz (health-fit) ein Element der insgesamt fünf Kompetenzen, die sich aus der Lernkompetenz (brain-fit), der Sozialkompetenz (social-fit), der Fachkompetenz (job-fit) sowie der Selbstmarketingkompetenz (market-fit) zusammensetzen. Diese fünf Kompetenzen bilden die Integrationskompetenz einer Teilnehmerin / eines Teilnehmers.
BFW aktuell
Wie gewichten Sie dabei die Rolle der Gesundheitskompetenz und das Zusammenspiel aller Faktoren für einen positiven Integrationsverlauf?
Dr. Herbert Horatz
Der Gesundheitskompetenz und ihrer Entwicklung kommt dabei zweifellos eine besondere Bedeutung zu.
Allen Teilnehmerinnen und Teilnehmer der beruflichen Rehabilitation ist es gemeinsam,
dass sie aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ihren bisherigen Beruf ausüben können.
Es gilt also, sich mit veränderten beruflichen Inhalten auseinanderzusetzen und gleichzeitig gesundheitliche Einschränkungen zu akzeptieren bzw. zu bewältigen.
Zwar wird ja das jeweils veränderte Leistungsvermögen bei der neuen beruflichen Perspektive berücksichtigt,
dennoch sind Stabilisierung der Gesundheit sowie Verarbeiten von Erkrankungen und Handicaps wichtige Voraussetzungen für eine stabile Leistungsfähigkeit.
Gleichzeitig darauf zu bauen, weitere Kompetenzen auszubauen oder zu entwickeln stärkt die Integrationskompetenz
und damit die eigenen Möglichkeiten auf dem Arbeitsmarkt.
BFW aktuell
Die Besonderen Hilfen werden entsprechend der Notwendigkeit einer Kompetenzentwicklung in Absprache
zwischen Reha- und Integrationsmanagement und Teilnehmer vereinbart.
Welche Möglichkeiten gibt es in der Medizin und den anderen Bereichen der Besonderen Hilfen?
Dr. Herbert Horatz
Im System RehaKomIn ist es ein grundlegendes Prinzip, dass Besondere Hilfen individuell im Hinblick auf die dauerhafte berufliche Integration eingesetzt werden
– natürlich nur dann, wenn ein entsprechender Bedarf besteht. Das wird, wie gesagt, individuell festgestellt.
In der Medizin orientieren wir uns da nicht an einzelnen Symptomen, sondern versuchen mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern Bewältigungsstrategien
(z.B. bei einem Schmerzsyndrom) zu erarbeiten, um sozusagen Expertin/Experte in den Belangen der eigenen gesundheitlichen Situation zu werden.
Für die Erarbeitung und Durchführung stehen Fachleute verschiedener Disziplinen einschließlich einer Physiotherapie mit Medizinischer Trainingstherapie zur Verfügung
– Einzel- und Gruppenangebote werden gleichermaßen durchgeführt. Kompetenzentwicklungen in den verschiedenen Kompetenz-Bereichen
werden durch psychologische Begleitung, durch Kurse im Hinblick auf Entspannung, Lernen, Kommunikationstraining und vieles andere,
durch Coaching und Beratung und nicht zuletzt durch das Gebärdensprachdolmetschen für gehörlose oder stark hörbehinderte Menschen ermöglicht.
BFW aktuell
Wie setzt sich Ihr Team aus Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Einzelnen zusammen?
Dr. Herbert Horatz
Das Team des Centers Besondere Hilfen setzt sich aus Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ganz verschiedener Professionen zusammen:
Dazu gehören Physiotherapeutinnen, Gebärdensprachdolmetscherin, Sozialpädagoge und Coach, Psychologinnen, und Ärzte verschiedener Fachrichtungen
(Innere Medizin/Betriebsmedizin, Physikalische und Rehabilitative Medizin, Psychiatrie und Psychotherapie),
die durch erfahrene Mitarbeiterinnen (Arzthelferinnen und Sekretärin) unterstützt werden.
BFW aktuell
Wie ist zu gewährleisten, dass jede Teilnehmerin / jeder Teilnehmer genau die Besonderen Hilfen bekommt, die sie/er benötigt?
Dr. Herbert Horatz
Das ist in der Tat keine leichte Aufgabe. Dazu gehört einerseits viel Erfahrung, die unsere MitarbeiterInnen aus langjähriger Tätigkeit
in der beruflichen Rehabilitation mitbringen. Andererseits ist es eine wichtige Aufgabe der Reha- und IntegrationsmanagerInnen,
im Gespräch mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern, mit Hilfe des Profilings sowie im Austausch mit den verschiedenen Professionen im BFW festzustellen,
welche Kompetenzentwicklung mit Hilfe eines Angebotes der Besonderen Hilfen anzugehen ist.
BFW aktuell
Vielen Dank für das Gespräch!











