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Das BFW Frankfurt
Profil und Konzepte
Profiling für eine integrationsorientierte berufliche Rehabilitation

Prof. Dr. Joachim Thomas
Im Rahmen des neuen Reha-Modells haben sich alle 28 in der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Berufsförderungswerke (ARGE) vertretenen Berufsförderungswerke verpflichtet, den von ihnen organisierten beruflichen Rehabilitationsprozess weiter zu verbessern und noch konsequenter auf die spezifischen Bedürfnisse der jeweiligen behinderten Menschen auszurichten. Reha-KomIn®, das Konzept der Umsetzung des neuen Reha-Modells der Berufsförderungswerke Frankfurt am Main und Thüringen, ist seit Anfang 2010 für alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer eingeführt. Mit der bevorstehenden Einführung des Prozessprofilings zur Steuerung und Qualitätssicherung der individuellen Integrations- und Qualifizierungsprozesse wird ein weiterer wichtiger Meilenstein gesetzt. In einer einjährigen Projektarbeit in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Joachim Thomas, Professor für Psychologische Diagnostik und Intervention, Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt wurde ein integrationsorientiertes Profilingsystem entwickelt.
BFW-aktuell im Gespräch mit Prof. Dr. Joachim Thomas.
BFW aktuell
Herr Prof. Dr. Thomas, nach einer mehr als einjährigen Projektarbeit zur Entwicklung eines wissenschaftlich fundierten praxisorientierten Profiling-Systems
stehen wir nun kurz vor dessen Einführung im BFW Frankfurt am Main. Welches sind die Ziele, die Sie mit diesem System verfolgen?
Prof. Dr. Joachim Thomas
Zunächst geht es um ein globales Ziel, dem wir alle verpflichtet sind:
Die berufliche Integration der behinderten und von Behinderung bedrohten Menschen zur Teilhabe am Arbeits- und Gesellschaftsleben.
Diesem Ziel dient das Profiling-System in vielfältiger Weise, denn
- es steuert den gesamten Integrationsprozess und dient als Steuerungs-, Kontroll- und Überwachungsinstrument
- es nimmt eine Einschätzung der Kompetenzen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer.
Dies dient zum Einen der optimalen Festlegung von Integrationszielen und –wegen, zum Anderen der individuellen Planung von Fördermaßnahmen.
Wichtig ist dabei auch, die Erfahrungen der Teilnehmer in ihrem bisherigen beruflichen Werdegang und privaten Leben zu kennen. So kann zum Beispiel ein Teilnehmer, der sehr kontaktfreudig und sprachgewandt ist, gut im Vertrieb eingesetzt werden. Auch persönliche Neigungen und Interessen können noch besser verwertet werden und bilden die Grundlage für kreative und passgenaue Integrationswege und somit auch die Grundlage für die Förderung
(Ressourcen- und nicht nur Defizitorientierung „Die Stärken der Teilnehmer stärken!“). Ein weiterer positiver Effekt liegt in der Wertschätzung gegenüber dem Teilnehmer, der seine gesammelte Berufserfahrung besser in die Qualifizierung mit einbringen kann und nicht wieder bei Null beginnen muss. - es ist ein System von Indikatorvariablen zum frühzeitigen Erkennen von Handlungsbedarfen
(dynamische Steuerung und Kontrolle). - es ist ein Kontrollsystem für alle Reha-Träger und schafft die Voraussetzung für frühzeitigen Handlungsbedarf bei Abweichung der Zielsetzung.
BFW aktuell
Was hat Sie persönlich bewogen diese neue Zusammenarbeit mit dem Berufsförderungswerk Frankfurt einzugehen
und welche Erfahrungen haben Sie in diesem Projekt gesammelt?
Prof. Dr. Joachim Thomas
Für meine Arbeit in einer anwendungsorientierten Forschung ist der Kontakt in die Praxis sehr wichtig.
Berufliche Rehabilitation ist darüber hinaus ein Bereich mit hoher gesellschaftlicher Relevanz.
Die Sinnfrage ist hier leicht zu beantworten.
Darüber hinaus war es für mich sehr spannend nicht für das BFW sondern mit dem BFW, mit sehr kompetenten und engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern etwas zu entwickeln, die immer bereit waren auch scheinbare Selbstverständlichkeiten in Frage zu stellen und schließlich zu guten Lösungen zu kommen.
Ich lerne bei jedem Projekt dazu. Hier hatte ich nun Gelegenheit die Arbeit in der beruflichen Rehabilitation von verschiedenster Seite kennenzulernen.
BFW aktuell
Welchen Nutzen bringt dieses Instrument:
für unsere Teilnehmerinnen und Teilnehmer?
Prof. Dr. Joachim Thomas
Dieses Instrument schafft mehr Transparenz und verbessert die Individualisierung und Nutzung der bisherigen Kompetenzen mit dem Ziel einer passgenauen Integration.für die Reha-Träger?
Prof. Dr. Joachim Thomas
Die verbesserten Formen der Dokumentation schafft auch hier mehr Transparenz für die Reha-Träger und dient somit der Optimierung der Prozesse.für die zukünftigen Arbeitgeber?
Prof. Dr. Joachim Thomas
Das System hilft, die richtigen Mitarbeiter an die richtigen Arbeitsplätze zu bringen – individuell und auf die Bedarfe des Unternehmens ausgerichtet und qualifiziert.für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter?
Prof. Dr. Joachim Thomas
Das Ziel der Integration jeder Teilnehmerin/jedes Teilnehmer ist ein Ziel, welches alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Berufsförderungswerkes Frankfurt am Main anstreben. Die hohe Transparenz, die lückenlose Dokumentation und der verbesserte Zugang zu Daten führen zu einer Optimierung der Qualifizierungsabläufe und letztendlich auch zur Effizienzsteigerung der Arbeitsabläufe. Individuelle Zugriffsrechte gewährleisten dabei den Datenschutz.
BFW aktuell
Welche Rückmeldungen haben Sie im Laufe des Projektes erhalten und wie haben sich diese auf die Inhalte des Projektes ausgewirkt?
Prof. Dr. Joachim Thomas
Ich erhielt ausgesprochen positive Rückmeldungen. Wir haben während des Projektverlaufs immer wieder Aspekte in die Nutzer gespiegelt und Dinge erprobt.
Auf besondere Weise geschah dies nochmals während der einzelnen Mitarbeiterschulungen. Wir erhielten viele Anregungen,
die wir für die Optimierung des Profiling-Systems genutzt haben.
BFW aktuell
Konnten Sie alle Projektziele verwirklichen oder sehen Sie weitere Entwicklungsbedarfe?
Welche Herausforderungen hat dieses Projekt an Sie und das Team gestellt?
Prof. Dr. Joachim Thomas
Wenn man an einem so zentralen Bereich arbeitet, dann werden fast zwangsläufig auch weitere Bereiche betroffen.
So haben wir ziemlich schnell festgestellt, dass unser Profiling-System das RehaAssessment nicht unberührt lässt.
Dementsprechend sind erste Modifikationen vorgenommen worden, weitere Entwicklungen sind gemeinsam mit anderen Berufsförderungswerken geplant.
Auch nach Einführung dieses Systems sind Korrekturen und Erweiterunge noch nicht abgeschlossen, denn dann beginnt die Bewährungsphase in der Praxis.


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